Dienstag, 13. Januar 2009
Peking

Immer wieder haemmere ich auf den Pickel in das Eis. Doch es nuetzt nichts, ueberall ist Blumenkohl. Weiter ueber mir kuendigen grosse Orgelpfeifen das Ende an. Die Hauen beissen schon lange nicht mehr im glasernen Eis, die Frontalzacke kratzen auf der sproeden Glasur. Es nuetzt nichts, ich muss hier zwei Eisschrauben setzen und runterkommen. Immerhin kann ich, wenn auch nur inffiezient, das Training von Bruce nutzten. Ich fuehle mich trotzdem noch irgenwie nicht den Anforderungen im Vorstieg gewachsen. Wie war das noch mal: man bohrt zwei Loecher in eine solide Eisflaeche, faedelt eine 8mm Reepschnur durch, atmet ein, lehnt sich zurueck und seilt ab...? Eisklettern ist mit auf jeden Fall einen Zacken komplizierter, gefaehlicher (Was passiert, wenn der Zapfen dort oben bricht?) und verlangt einiges an Erfahrung.

Gestern noch sind wir mit all den Chinesen, die heute ihre “Competition“ austragen, an der kuenstilchen Eiswand (ein Bewaesserungssystem bildet permanent eine Eisschicht auf dem Fels) herumgetobt. Es war wie auf dem Spielplatz: Ueberall hingen Topropes herum (Sicherung von Oben), das Eis war perfekt und Menschentrauben tummelten sich auf dem kuenstlichen Gletscher. Da dachte ich noch, Eisklettern ist ja sooo einfach. Einfach den Pickel und Steigeisen irgenwo reinhauen und hoch.

Heute habe ich mich mit Bruce, einem erfahrenen Aplinisten, und einem Chinesesichen Freund abgesetzt, um in der Naehe einen natuerlichen Wasserfall zu besteigen. Ja, und da hat sie mich eingeholt die Realitaet. Ich stehe nun unten und sehe mein Meisterwerk. Vielleicht gerade mal 10 Meter habe ich es ueber den Boden geschafft bis meine Eiskletterkuenste und meine Nerven am Ende waren. Bruce geht noch mal hoch. Problemlos steigt er ueber meine Sicherungskette und verdoppelt noch ein mal die Seillaenge bis auch er meint: Da oben sieht es zu gefaehrlich aus, um weiter zu gehen. Und so geht auch der dritte Tag des verlaengerten Wochenende zu Ende. Heute abend gehts zurueck per Softsleeper nach Shanghai.

Es gibt uebrigens vier verschiedene Kategorien, um mit dem Zug in China zu reisen. Die unterste Klasse (Holzklasse) ist der “Hardseat“ -fuer die ganz harten auch ohne Sitzplatz zu buchbar. Dann kommt der Softseat, etwas bequemer und schiesslich die Sleeper (Hard und Soft). Waehrend man beim Hard Sleeper mit 6 Genossen im Abteil relativ gemuetlich naechtigt, ist man im Soft Sleeper zu viert und geniesst ein bisschen mehr Komfort. Meiner Meinung nach ist das eine ganz komfortable Art zu reisen, die man dem Flugzeug vorziehen kann. Man kommt morgens ausgeschlafen (ohne eine Uebernachtung bezahlen zu muessen) im Stadtzentrum an.


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Mittwoch, 3. Dezember 2008
Xiao Shi Men

Es ist Ende November, der Herbst neigt sich dem Ende, doch die Sonne lacht noch immer über dem kleinen Dörfchen und über der Bergwelt. Es ist Sonntagmorgen acht Uhr, der Bodenfrost lässt das Gras und den Raureif glänzen. Unsere kleine Trekkingtour beginnt am Fuße des Qing Liang Feng. Einen Steinwurf entfernt liegt die Provinzgrenze von Zhejiang und Anhui. Peter hat einen ordentlichen Schritt drauf und ich habe Mühe ihm zu folgen. Peter ist eigentlich sein englischer Name, denn die jüngere Generation Chinesen gibt sich meistens selbst einen zweiten Namen.
Der Umstand dass es dem Westerner immer schwer fällt, chinesische Namen auszusprechen, und diese sich auch noch merken spricht dafür. Teilweise ist es auch für die fremde Zunge gefährlich mit der Aussprache herumzuexperimentieren. Ein Wort im ersten, zweiten, dritten oder vierten Ton auszusprechen ist für uns eine Sache der Laune und der Situation, im Chinesischen ist es wichtig den richtigen Ton zu treffen, um Missverständnisse oder Peinlichkeiten zu vermeiden.
Ein Teil der Gruppe ist am Kletterfelsen (Xiao Shi Men – wurde schon öfter in früheren Berichten erwähnt) geblieben und erfreut sich der Routen an der in der Sonne leuchtenden Wand. Meine Kletterverletzung an Finger zwang mich diesmal, andere Pläne zu machen. Und flitze ich mit Peter diesen Berg hinauf. Um vier haben wir uns zur Rückreise nach Shanghai verabredet. Dieser Umstand zwingt uns, einige Etappen im Laufschritt zu meistern und die Pausenzeiten zu rationieren. Peter ist ein erfahrener Alpinist und ist genauso wie ich erpitcht, den Gipfel zu erreichen. Die Umgebung ist nicht so imposant wie die Yellow Mountains, dennoch kann ich mich immer wieder an den Bambuswäldern, dem zugefrorenen Bächlein oder dem verschlafenen Bauerndörfern freuen. Den Gipfel auf 1750 Meter haken wir ab und stürzen wieder hinab.
Diesmal muss ich ohne Klettererlebnisse heimkehren. Dafür habe ich viele potenzielle Neurouten für nächstes Jahr dokumentiert und ein bisschen die Landschaft erkundet.


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Montag, 6. Oktober 2008
Yangshou

Nach einer Woche Urlaub in Yangshou pellt sind die Haut der Finger an allen möglichen Stellen ab. Blasen, Schürfwunden, blaue Flecken. Und doch wollen wir nicht weg. Francesco und ich haben uns so an den Lebensstil gewöhnt. Manchmal wussten wir nicht mal welcher Tag eigentlich ist. Aber wir wussten, welche Routen noch zu klettern sind und welches Projekt noch offen ist. Früh morgens gibt es leckeres Frühstück in unserem Hotel und wir werden mit sanfter Reggae Musik in den Tag gebracht. Yangshou ist unser Urlaubsziel, Heimat der Karstberge. Zurzeit der “Golden Week“ platzt das kleine Städtchen in Südchina aus allen Nähten. Die Stadt ist nicht nur ein Mekka für alle Kletterer in China, sondern auch eine der Haupttouristenattraktionen überhaupt. Restaurants, Bars, Kneipen, Shops alles befindet sich hier dicht an dicht und die westliche Atmosphäre ist schon fast unwirklich für eine chinesische Stadt.

Die so genannten Karstberge sind tropischer Kalkfelsen, die durch einen Karstprozess und Erosion entstanden sind. Bevor ich mich jetzt auf geologisches Glatteis begebe, verweise ich lieber auf Wikipedia und andere Quellen.
Diese Karstberge formen eine einzig artige Landschaft, die sich schier endlos am Li Fluss erstreckt.

Im letzten Jahrzehnt begannen Amerikaner (zuerst Todd Skinner) mit der Erschließung des Gebietes. In der heutigen Zeit gibt es auch viele Chinesische Kletterer, die die Entwicklung des Gebietes vorantreiben. Aufgrund der Masse der Felsen sind die sind Möglichkeiten für neue Routen nahezu grenzenlos. Routen existieren in allen Schwierigkeiten und werden vorwiegend im Sportstil eingerichtet. Der Fels bietet alle möglichen Variationen: blockförmig, Stalaktiten, Sintersäulen, “Reibeisenförmig“, “Frankentaschen“, steil, überhängend, Dächer, und, und, und. Am Fels haben wir unsere Ruhe vor den Heerscharen der Touristen, die sich an den Sightseeing Places gegenseitig die Füße platt treten.

An den insgesamt 9 Tagen haben wir 2 Pausentage eingerichtet. Zu erst besuchten wir die Long Gi Terrassen, eine Haupttouristenattraktion und daher auch entsprechen überlaufen. Die Wanderung von Xing Ping nach Yangdi war dagegen eines der Highlights. Bettina (DE) und Marlilyn (AUS) luden uns netterweise ein, am Li Fluss entlang durch Reisfelder, kleine Bauerndörfer in einer grandiosen Landschaft, zu wandern. Abends ging’s noch zur Underwear Party in die Lizzard Lounge (Kletterclub).

Der Abschied von Yangshou fällt uns beiden doppelt schwer. Beide haben wir unsere Kletterwehwehchen, die wir nach diesem Saisonende auskurieren müssen. Das bedeutet bei mir 2 Monate die Finger ruhen lassen.


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Donnerstag, 18. September 2008
Guoliang Trip

Link zu A-Cao's website:
http://a-cao.blog.sohu.com/100127298.html

Henan ist eine Chinesische Provinz in der Mitte von China. He ist der Fluss, Nan bedeutet “Süden“ – das beschreibt schon ganz gut die Lage.

Wir reisen zunächst nach Zhengzhou, der lokalen Hauptstadt, und weiter über verschiedene kleine Städtchen nach Guoliang, unserem Ziel. Wir sind zum Klettern gekommen. Deswegen bleibt leider keine Zeit, der Shaolin Tempel bei Zhengzhou zu besuchen. Die Anreise von Shanghai (mit Flugzeug, Bus und Taxi) allein verschlingt nämlich schon einen kompletten Tag. Die Bevölkerung in Henan ist verglichen mit Shanghai bedeutend ärmer. Auf den Dörfern sind Straßen und Behausungen sehr einfach. Auch die Transportmittel werden landeinwärts immer puristischer.

Im Guoliang finden wir wunderbaren Sandsteinfelsen vor. Die Landschaft ist einzigartig. Wie auch in anderen Klettergebieten in China ist alles noch am Entstehen. Sportrouten entstehen, Traditionelle Routen werden ausgekundschaftet und erstbegangen.

Zusammen sind wir 5 Kletterer, Shanghaier, und drei Pekinger. Wobei unser Gespann aus zwei Ausländern besteht: Jan, dem Norweger und meiner Wenigkeit. Jan ist schon eine Ganze Weile in Peking mit der ganzen Familie. Er erzählt gern von seinen Bergabenteurern in Nordwestchina und macht mir den Mund wässrig.

Die 4 Tage vergehen wie im Flug. Das Wetter im Landesinneren erweist sich als überaus trocken und stabil und die Erinnerung an die vielen schönen Routen bleibt in meinem Gedächtnis haften.


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Sonntag, 10. August 2008
Wieder mal in Anhui. Ja, wir bekommen einfach nie genug von diesen Felsen mit den Paar Routen. Dieses Mal haben wir Pech mit dem Wetter. Durch den starken Regen in der Nacht ist der Fels nass. Der Regen ist offensichtlich das Resultat eines Taifuns, der über Ostasien zieht. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns die durchaus sehenswerte Umgebung an. Es gibt jede Menge Wasserfälle, Felsen, Bambuswälder - einfach idyllisch.

Wieder mal in Anhui

Am Nachmittag komme ich auf die Wahnwitzige Idee ein bisschen “Canyoning“ auszuprobieren. Gesagt getan, wir suchen uns einen der Wasserfälle aus, fixieren das Seil und seilen uns durch die Strömung ab. Das Wasser ist durchaus im Stande einen Erwachsenen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Das ist aber genau das gewisse Etwas, dass die Sache spannend macht und für jede Menge Spaß sorgt.

Am nächsten Tag ist es trocken und wir sind wieder am Fels. Mir gelingt der Rotpunkt-Durchstieg der einen oder anderen Route. Der Twincrack ist eine traditionell eingerichtete Route (keine Sicherungsösen in der Wand). Wir haben aber genug “Gear“ mit. Klemmkeile und Camelots schmücken den Riss und sorgen für die optimale Absicherung. Am Nachmittag setzt urplötzlich heftiger Regen ein. Der kleine Fluss schwillt zu einer starken Strömung an und überflutet unseren Rückweg. Wir sitzen erst mal fest. Die ganze Situation führt zu einiger Hecktick. Seile verklemmen sich, Karabiner und Ausrüstung bleibt in der Wand zurück, Schimpfen, Flüche, nasse Klamotten…
Nach einer Weile lässt der Regen nach und die Lage entspannt sich wieder. Wer hätte gedacht, dass das an einem so friedlichen und harmlosen Ort passieren kann.
Spät abends geht es zurück nach Shanghai.


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Zusammen mit Francesco verlasse ich Shanghai Samstagmorgen. Unser Ziel ist Hangzhou. Hangzhou ist eine der sehenswertesten Städte in China, so sagt man. Imposante Pagoden überragen die Häuser, Prächtige Tempel und ein sehr idyllischer See gehören zu den Attraktionen des Ortes. Beim nächsten Mal habe ich bestimmt Zeit dafür…
Wir fahren direkt zu dem uns beschriebenen Kletterfelsen.

Hangzhou

Wir sind mächtig beeindruckt von der herrlichen Wand mit dem wundervollen Kalkgestein. Die Routen sind ebenfalls phantastisch. Die Schwierigkeitsgrade von 5.11-5.13 versprechen eine Menge Energieverbrauch. Doch wir sind mit Essen gut versorgt. Nach den ersten Routen müssen wir Temperatur bedingt abbrechen. Es ist inzwischen Nachmittag und die Temperatur liegt bestimmt bei knapp 40°C. Die Grillen bzw. das Insektenvolk macht einen Ohrenbetäubenden Lärm. Die Geräuschkulisse erinnert mich ein bisschen an den Dschungel.

Am Abend essen wir gemütlich beim Inder am Westlake in Hangzhou und genießen die Beschaulichkeit. Morgen früh soll es ganz zeitig losgehen. Der Wecker in unserem Zimmer im Youthhostel wird auf 5.30 Uhr gestellt.

Der Zeitgewinn durch das frühe Aufstehen ermöglicht uns tolles Klettern bei erträglichen Temperaturen. Die eine oder andere Route wird als neues Rotpunkt-Projekt vorgemerkt (Durchstieges-Klettern ohne Pause im Seil).


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Mittwoch, 9. Juli 2008
Ja, ich habe ja gesagt dass ich wiederkomme. Diesmal sind wir ein richtig internationales Team: China, Taiwan, Frankreich, Italien, Deutschland. Die Taiwanesin Mavis bzw. Shanme ist übrigens noch eine Stufe verrückter nach dem Klettern. Sie hat alles organisiert (incl. dem Peking-Trip am kommenden Freitag).
Freitagabend brechen wir auf. Nachts um eins angekommen in der Herberge, scherzt Olivier noch, dass wir morgens um 6.30 Uhr aufstehen sollten, ha, ha, ha.

Morgens 6.30Uhr stehen wir am Fels. Lao Shan hat uns freundlicher Weise um 5.00 Uhr geweckt, wegen der Mittagshitze. Die Wetterbedingungen haben sich in China geändert. Es ist nicht mehr länger schwülwarm. Tagsüber herrschen 35 bis 40 Grad. Ein Glück dass ein kleines Gebirgsbächlein durch das Steintor fließt. Dort kann man ab und zu eine Abkühlung unter dem kleinen Wasserfall nehmen.
Diesmal haben wir “Trad Gear“ dabei. Mavis hat Cam’s in allen erdenklichen Größen. Also, geht’s erst mal die Risse rauf. Nach den ersten Routen wird mir klar, dass man damit so gut wie jede Riss-Route perfekt absichern kann. Der Sachse würde sagen: „Das ist ja völlig übersichert“, obwohl ja gar kein Ring steckt.

Wir lassen die große Mittagshitze vorüberziehen und machen uns an den Sportrouten zu schaffen. Francesco ist begeistert, genau wie ich. Wenn wir doch nur eine Bohrmaschine dabei hätten…

Am Abend wird noch ausgiebig im nahen Fluss gebadet. Sonntag klettern wir ebenfalls bis Anschlag und machen uns auf, auf die Lange Rückreise nach Shanghai.


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